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Wie Hinkelsteine im Kopf – wenn Gedanken das Leben blockieren

Die Müdigkeit hüllt den Körper ein.

Nun ins Bett, die Augen zu und schlafen. Wenn es so einfach wäre. Denn zwischen Laken und Bettdecke sprudeln plötzlich die Gedanken, hüpfen im Kopf von rechts nach links, purzeln von oben nach unten. „Morgen möchte der Chef mit mir sprechen. Was könnte sein Anliegen sein?“, „Macht die Fernbeziehung mit meinem Freund noch Sinn? Jedes Wochenende von Köln nach Hamburg zu pendeln, ist wirklich mühsam“, „Wann komme ich endlich dazu, die Wohnung zu putzen?“ Fragen über Fragen, zur falschen Zeit. Manchmal ziehen sich diese „Denkorgien“ bis zum Morgengrauen hin, werden irgendwann vom Ärger darüber flankiert, den nächsten Tag mit Augenringen und Matschbirne bestreiten zu müssen. Doch es gibt Wege und Strategien, das Gewitter an Begriffen und Bedenken einzudämmen.

In ewigem Grübeln und negativen Gedanken zu versinken, ist äußerst unangenehm – dieser Zustand hält uns nicht nur nachts vom Schlafen ab, sondern auch tagsüber von der Arbeit. Außerdem führt er zu einer pessimistischen Lebenswahrnehmung. So hat der US-amerikanische Psychologe Paul Verhaeghen vom Georgia Institute of Technology herausgefunden, dass dauerhaftes brütendes Grübeln die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass depressive Symptome wie gedrückte Stimmung, verlangsamte Reaktionen oder Appetitverlust auftreten (https://www.wirtschaftspsychologie-aktuell.de/lernen/lernen-20140716-paul-verhaeghen-nachdenken-macht-kreativ-gruebeln-depressiv.html).

Um eine Distanz zu den eigenen Gedanken aufzubauen, eignen sich Übungen, die Achtsamkeit und Konzentration fördern. Für eine kleine „Meditation“ wählt man eine Haltung, in der man sich wohlfühlt und entspannen kann – auf dem Bett, Boden oder Stuhl. Das Ziel besteht darin, das Hier und Jetzt ohne Wertung zu akzeptieren. Nun werden die Augen geschlossen, die Atmung erfolgt bewusst; man spürt die Sicherheit des Bodens. Auch Geräusche und Gerüche dürfen registriert werden. Der Fokus liegt allerdings auf der Atmung – wo kommt sie her, wohin geht sie, wo wird sie am deutlichsten verspürt? Wer merkt, dass er ins Grübeln zurückfällt, führt die Gedanken in den Fluss der Atmung. Fünf bis zehn Minuten täglich reichen, um ein besseres Gefühl für sich zu erlangen.

Oft hilft es, die Wohnung zu verlassen, um neue Eindrücke zu gewinnen. Ein Spaziergang im Wald oder am See fördert die Fähigkeit, klar und kontrolliert zu denken. Wer keine Lust hat, sich zu bewegen, kann sich im Lieblingscafé niederlassen oder eine Parkbank mit schöner Aussicht aufsuchen. Schafft man es, seine Aufmerksamkeit auf verschiedene Pflanzen, Tiere oder Wolken zu richten, gewinnt das Innerste an Ordnung. Auch kognitiv anspruchsvolle Aktivitäten sind sinnvoll, um dem Grübeln ein Ende zu setzen. Beispiele sind, eine neue Sprache oder ein Instrument zu erlernen oder eine Kurzgeschichte zu schreiben. Auch ein Sudoku oder Kreuzworträtsel können Wunder wirken, denn der Fokus wird hierdurch bewusst verengt.