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„Was will er bloß?“ Persönlichkeiten sekundenschnell erfassen

Es gibt Menschen, die den ganzen Tag mit dicken Zornesfalten, heruntergezogenen Augenbrauen und zusammengepressten Lippen durch die Gegend stiefeln.

Jeder kennt diesen Typus: den Griesgram. Ein Gespräch mit ihm gleicht einem Boxkampf. Stress schießt in die Magengrube. Argumente prallen an ihm ab. Manchmal knurrt, manchmal brüllt er. Nicht immer fällt es so leicht, das Gegenüber einzuordnen; Mimik und Gestik erscheinen dann auf den ersten Blick neutral. Welche Wege und Strategien gibt es, trotzdem clever zu urteilen?

Menschenkenntnis nennt sich die „Kompetenz“, andere schnell einschätzen zu können. Eine Fähigkeit, die den Alltag einfacher macht; denn sie ermöglicht, die passenden Worte zu wählen oder angemessen zu agieren. Besser gelingt es, zu verhandeln, Konflikte zu vermeiden und Kompromisse zu finden. Speziell Führungspersönlichkeiten sind gefordert, sich „Menschenkenntnisse“ anzueignen – um ein balanciertes Klima zu befördern. Empathische Chefs erzielen langfristig intensivere Bindungen zu Kunden und Mitarbeitern als Narzissten.

Aufgepasst: Oft unterliegen wir dem „Bestätigungsfehler“. Wir nehmen dann an anderen oft nur die Dinge wahr, die unser Bild von ihnen bestätigen. Einem Anzugträger schreiben wir Aspekte wie „Seriosität“ oder „Solidität“ zu. Uns fällt also der Ehering, der an seinem Finger funkelt, besonders ins Auge. Merkmale, die diesen Eindruck widerlegen, rutschen hingegen häufig durch das Wahrnehmungsraster. Seien Sie außerdem im Austausch mit Körpersprache-Champions wachsam. Eine Studie von Judith Holler von der Radboud Universität im niederländischen Nijmegen zeigt, dass wir auf Fragen, die gestikulierend gestellt werden, schneller antworten (https://www.mpg.de/11476281/schnelle-antwprten-gesten). Lassen Sie sich beim nächsten Mal bewusst Zeit – eine rasche Antwort ist nicht automatisch eine gute Antwort. Helmut Schmidt hat es richtig gemacht. Er antwortete in Talkshows bisweilen erst nach einer halben Minute. Seine Inhalte trafen meist auf den Punkt.

Wenn Sie jemand im Gespräch nicht anschaut, kann das bedeuten, dass er seine Gefühle vor Ihnen verbergen will. Weitere Signale: Lachfältchen an den Augen, die sich bei echter Freude zeigen. Lediglich die Mundwinkel bewegen sich bei gespielter Freude. Die Spiegelneuronen – verantwortlich dafür, dass wir die Gefühle anderer miterleben können – lassen sich trainieren. Nutzen Sie die Joggingrunde im Park, den Besuch des Lieblingscafés oder die Talkshow im Fernsehen, um soziale Vorgänge zu beobachten. Die Fragen lauten: Wie reagieren Menschen physisch auf die Situation, in der sie sich befinden? Wie verändern sich ihre Gesichter? Wie fühlen sie sich? So lässt sich das Bauchgefühl schulen – und Sie sind in Interaktionen zukünftig vorausschauender.