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Eine Vertrauensfrage – über die Macht der Berührung

Ein Bekannter von mir, Gustav, steht immer da wie eine Eins, wenn er mit anderen Menschen redet.

Mit „Eins“ meine ich aber keine besonders aufrechte oder raumgreifende Haltung, sondern die Tatsache, dass er immer mit einer Hand die andere packt und das Ergebnis hinter seinem Rücken parkt. Er habe das so von seinem Opa gelernt, sagte er mir auf Nachfrage. Ich erwiderte ihm, dass er an Vertrauen gewinnen könne, wenn er aus seiner Starre ausbreche und sein Gegenüber ab und an berühre. Er denke darüber nach, antwortete er halb einsichtig, halb gleichgültig.

Der Akt des „Sich-berührens“ genießt kein gutes Image. So denken wir hierbei oft – forciert durch einschlägige Beschreibungen in den Medien – an ungewollte Übergriffe. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass Berührungen ein wesentliches Grundbedürfnis des Menschen darstellen. Der Wissenschaftler Ashley Montague sieht es auf einer Ebene mit Licht, Anerkennung und Liebe. Schwedische Forscher konnten nachweisen, dass wir Nervenbahnen besitzen, die auf Streicheln reagieren – ein positives Gefühl stellt sich ein (http://www.cbs.mpg.de/780484/20140403-01). Auf Fotos, die einen Menschen zeigen, der einen anderen berührt, wird der Berührende als dominanter wahrgenommen als der Berührte. Restaurantmitarbeiter, die ihre Hand auf die Schulter des Gastes legen, erhalten mehr Trinkgeld. Normalerweise werden wir nur von Menschen berührt, die uns nahe stehen, etwa Familienmitglieder oder Freunde. Deshalb wird unserem Unterbewusstsein Vertrautheit suggeriert. Tolle Effekte!

Trotzdem – drei wichtige Dinge müssen Sie beachten, wenn Sie auf dem Pfad der Berührung wandeln. Erstens: Passen Sie Ihre Bemühungen immer der Persönlichkeit des Gegenüber an. Haben Sie es mit einer schüchternen Person zu tun, lassen Sie sich Zeit mit der haptischen Kontaktaufnahme, handelt es sich um einen fröhlichen oder sogar feurigen Charakter: Freie Fahrt! Zweitens: Steigern Sie die Berührungen angemessen und logisch. Vor der Umarmung steht immer der Handschlag – zumindest im Geschäftsleben. Und zu guter Letzt: Lassen Sie die Berührung so selbstverständlich wie möglich erfolgen. Sie sollte natürlicher Teil Ihrer Kommunikation sein.