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Du bist, wie du klingst – über die Magie der Stimme

Am frühen Abend stapft ein brummender Bär in den festlich geschmückten Raum.

Als Gäste derselben Party schreiben wir ihm zu, seelenruhig und maximal gemütlich zu leben; vielleicht ist er Freiberufler und schläft jeden Tag bis um halb zehn in einer Hängematte auf der Veranda. Später stöckelt ein Quietscheentchen durch den Türrahmen; ihre schrille Stimme fühlt sich an wie eine Spritze. Außerdem plappert sie schnell wie eine Meistersekretärin in den 70ern die Schreibmaschine bediente. Mit ihrer Intelligenz kann es nicht weit her sein, schätzen wir. Wir beurteilen – manchmal bewusst, manchmal unbewusst – unsere Mitmenschen anhand ihrer Stimme. Laut, leise. Warm, kalt. Krächzend, schwingend. Das alles fließt in unser Bild mit ein. 
 
Sagen wir etwas, geht es nicht nur um die sachliche Information. Ganz im Gegenteil. Wenn wir unsere Stimme erheben, sind wir wütend, wenn wir flöten, vermitteln wir, dass wir verliebt sind. Wir nutzen über 100 Muskeln, wenn wir uns äußern, sie sitzen beispielsweise im Bauchraum oder im Gesicht. Gleichzeitig arbeiten mehrere Regionen im Gehirn zusammen, um den Sprechakt zu realisieren. Bisweilen schränken Erkrankungen unsere Muskeln ein oder wir leiden unter Schmerzen, dann verändert sich dieses komplexe Zusammenspiel – somit der Stimmklang. Daher lassen sich viele Krankheiten, wie etwa Parkinson oder Depression, an der Stimme erkennen. Die Sprachwissenschaftler Jan Michalsky und Heike Schoormann von der Universität Oldenburg haben herausgefunden, dass sich die Grundfrequenz unserer Stimme – speziell wenn der Sprecher wechselt – ändert, wenn wir einen Menschen attraktiv finden. Während Männer ihre Tonhöhe senken, heben Frauen ihre Stimme an (https://uol.de/news-detail/was-die-stimme-verraet-2228/). Nach einigen Sekunden kehren wir allerdings wieder zur ursprünglichen Tonlage zurück. 
 
Nun drei Ratschläge für Ihren Ausdruck: Sprechen Sie nicht ohne Punkt und Komma. Gerade durch Pausen erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass Sinn, Verständnis und Wirkung Ihrer Worte gefördert werden. Nebenbei sorgen Sie dann für echte Spannungsmomente, die ein Gespräch unterhaltsamer machen. Wenn Sie die Aufmerksamkeit mehrerer Zuhörer gewinnen möchten und nicht mit jedem Blickkontakt aufbauen können, wirkt ein erstes in den Raum geworfenes Wort mit nachfolgender Pause Wunder – das Ohr überlistet quasi das Auge. Stärken Sie Ihre Stimme durch einen stabilen Stand. Lockern Sie Ihre Knie und Ihren Po, verlagern Sie Ihr Gewicht auf die Fußballen. Wenn Sie dazu noch gestikulieren, mit Händen und Füßen – wie ein Italiener – sprechen, dann fährt Lebendigkeit in Ihre Stimme. Erstellen Sie gerne eine Audioaufnahme mit einer dreiminütigen Rede von sich und identifizieren Sie anschließend Nuancen, die Ihnen gefallen oder missfallen. Nehmen Sie sich erneut auf und vergleichen Sie Ihre „Leistungen“.