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Die Macht der Blicke – wie wir durch unsere Augen Verbindungen herstellen

Manchmal bringen sie uns in Verlegenheit, manchmal fluten sie uns mit Endorphinen, manchmal können wir ihnen nicht standhalten: Blicke.

Es ist faszinierend, was diese beiden kleinen Kugeln in der oberen Hälfte unseres Kopfes alles bewirken können – besser gesagt: der Besitzer, mit seinen facettenreichen Gefühlen und Absichten, die man häufig ablesen kann. Nicht umsonst gelten unsere Augen als Schlüssel zur Seele. Und nicht umsonst mustern bereits Säuglinge die Blicke ihrer Eltern, um deren Emotionen abzuleiten.

Eine verblüffende Tatsache: Beim Lügen sind die Augen relativ unbeweglich. Der Grund: Menschen vermeiden unbewusst, zu viele visuelle Impulse aufzunehmen, weil sie sich darauf konzentrieren (müssen), ihr mitunter komplexes Lügengebäude aufrechtzuerhalten. Sie beugen so einer kognitiven Überforderung vor. Nicola Binetti vom University College London beschäftigte sich mit der Frage, wie lange ein durchschnittlich als angenehm empfundener Blickkontakt dauert. Wer starrt, wirkt oft bedrohlich, wer zu kurz schaut, dem sagt man Nervosität oder Unaufmerksamkeit nach. Das Ergebnis seines Experiments mit 500 Freiwilligen, die sich Videoclips mit Gesichtern anschauten: Etwa drei Sekunden sind optimal (https://www.wissenschaft.de/gesellschaft-psychologie/unser-blickkontakt-im-test/).

Am neuen Arbeitsplatz dient der bewusste Blickkontakt als erster Schritt zur Kontaktaufnahme. Ein offener Blick mit angedeutetem Lächeln wirkt selbstbewusst, interessiert und sympathisch. Hebt man kurz die Augenbraue, bringt man eine positive spielerische Komponente ins Gespräch. Im Alltag lässt sich ein aufgeschlossener Blick üben, etwa beim Bäcker, im Restaurant oder in der Bahn. Der Blick des Gegenübers kann Hinweise auf dessen Gefühlslage geben; ist er gesenkt, signalisiert das Desinteresse, fliegt er umher: Unsicherheit. Ganz wichtig: Wer in einer Gruppe mit einer Person spricht, mit der er sehr vertraut ist, neigt schnell dazu, nur noch sie anzuschauen. Lässt er seinen Blick schweifen, fühlt sich auch der Rest wahrgenommen – das ist soziale Kompetenz.